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Tschüss Jobcenter, hallo Arbeit! Weg vom Bürgergeld nach 21 Jahren

Ein sonniger Apriltag im Freilichtmuseum Molfsee. Vor dem Fachwerkhaus der Arbeitsgelegenheit „Buntspecht“ sitzt Mathias Bebensee auf einer Bank, lässt den Blick über das Gelände schweifen und genießt die Ruhe. Es ist ein Ort, der ihn über Jahre begleitet hat und zu dem er zum ersten Mal in diesem Jahr zurückgekehrt ist. Plötzlich öffnet sich die Tür, ein alter Bekannter aus der Arbeitsgelegenheit tritt heraus, erkennt ihn sofort und ruft: „Moin Mathias, na, du hast‘s jetzt geschafft!“ Der 55-Jährige lächelt, lehnt sich zurück und antwortet ruhig: „Joah, … ich hab’s wohl geschafft.“

Vom Alkoholkonsum ins Arbeitsleben

Dieser Moment steht für einen langen Weg. Mathias Bebensee war seit Einführung der Jobcenter im Jahr 2005 durchgehend im Leistungsbezug. Trotz einiger Jobs zwischendurch prägten Arbeitslosigkeit und eine Alkoholabhängigkeit seinen Alltag über viele Jahre hinweg. Das Jobcenter blieb an seiner Seite und nahm ihn in einem Spezial-Team auf, das sehr arbeitsmarktferne Kund*innen auf dem Weg in den Job unterstützt. Mit dieser Hilfe gelang dem Kieler im Frühjahr 2023 erstmals die Teilnahme an der Arbeitsgelegenheit „Buntspecht“, einem handwerklich orientierten „Ein-Euro-Job“ im Freilichtmuseum Molfsee. Der Alkohol war da noch Teil seines Lebens. Nach Feierabend, an freien Tagen – der Konsum gehörte dazu.

Doch dann kam ein Einschnitt. Der Tod seiner Mutter im Winter 2023 veränderte vieles. Mathias Bebensee begann, sein Leben zu hinterfragen. Und war nun bereit für Veränderung. Eine befreundete Ärztin unterstützte ihn auf seinem Weg aus der Sucht. Heute, mehr als zwei Jahre später, ist er trocken. Ein entscheidender Wendepunkt.

Minijob beim Kieler Stadtkloster

Parallel dazu entwickelte sich auch seine berufliche Perspektive weiter. Die Arbeitsgelegenheit gab hier viel Halt. „Am Anfang war es mit Mathias nicht so leicht, aber wir haben schnell gemerkt, dass er die richtigen Tugenden mitbringt“, erinnert sich Projektleiter Malte Rosenbusch vom Träger Ausbildungszentrum Bau e.V. in Kiel, „und dann hat er eine gute Entwicklung genommen.“ Mit „Buntspecht“ schafft es Mathias Bebensee wieder Struktur in seinen Alltag zu bringen, Verantwortung zu übernehmen und Schritt für Schritt näher an den Arbeitsmarkt heranzurücken – genau das, wofür eine Arbeitsgelegenheit da ist. Zuletzt übernahm er sogar noch mehr Verantwortung und unterstützte als Anleiter andere Teilnehmende.

Der nächste Schritt folgte im August 2025: Mathias Bebensee nahm eine Tätigkeit beim Kieler Stadtkloster auf – zunächst auf Minijob-Basis als Fahrer für Senioren in der Tagespflege. Eine Aufgabe, die ihm nicht nur lag, sondern auch Freude bereitete. „Beim Kieler Stadtkloster passte für mich von Anfang an alles. Als sie dann einen Fahrer mit mehr Stunden brauchten, bin ich zum Chef, habe mich darauf beworben und die Stelle bekommen.“ Die langsame Heranführung an den Arbeitsmarkt durch das Jobcenter zeigt Erfolg: Mathias Bebensee ist belastbar, gesundheitlich fit und, mit am Wichtigsten, hat den Glauben an sich selbst zurückgewonnen. Nur so kann eine Arbeitsaufnahme nach so langer Zeit gelingen.

Raus aus dem Leistungsbezug – mit Hilfe des Jobcenters

Mit der Erhöhung der Arbeitsstunden wird Mathias Bebensee seinen Lebensunterhalt eigenständig sichern können. Nach 21 Jahren endet damit sein Leistungsbezug. Damit ist Wirklichkeit geworden, was im Jobcenter beide Seiten an den Schreibtischen wollen: dass Menschen ihren Leistungsbezug nachhaltig beenden können. Bei Mathias Bebensee war es ein langer Weg, aber es hat sich gelohnt, dranzubleiben.

Konkret halfen die kontinuierliche Beratung und das Aufzeigen von Perspektiven, auch bei Suchterkrankung. Zuletzt war es insbesondere die Unterstützung bei der Arbeitsgelegenheit „Buntspecht“, die den entscheidenden Impuls gab. Ergänzend wurde die Arbeitsaufnahme durch „Einstiegsgeld“ vom Jobcenter gefördert, einem Zuschuss zum Einkommen über mehrere Monate. Damit wird der Start in Arbeit nach so langer Zeit stabilisiert und anfängliche Defizite können ausgeglichen werden.

„Ich freue mich auf eine Zeit ohne Jobcenter“

Für Mathias Bebensee bedeutet der Schritt in die Unabhängigkeit mehr als nur finanzielle Eigenständigkeit. „Mir war wichtig, dass ich keine Rechenschaft mehr schuldig bin.“ Heute blickt er nach vorn. Sein Arbeitsalltag gibt ihm Struktur, die Begegnungen mit den Seniorinnen und Senioren bereichern ihn und das Team im Kieler Stadtkloster gibt ihm Rückhalt. „Ich schau positiv in die Zukunft und freu mich auf eine Zeit ohne Jobcenter und mit einem tollen Job!“

 

zum Bild: Mathias Bebensee (li.) fand auch durch die Unterstützung von Malte Rosenbusch, Projektleiter der Arbeitsgelegenheit „Buntspecht“, den Weg in Arbeit.